Webliteralität und Webrhetorik
Vom Lesen und Schreiben im World Wide Web

Informationen über die Dissertation: “Webliteralität - Lesen und Schreiben im World Wide Web”.

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Inhaltsüberblick

Ein kurze Beschreibung von Aufbau und Struktur der Arbeit mit einer Zusammenfassung der Kernpunkte

Worum geht es in dieser Arbeit?
Dies ist eine Arbeit über Websites. Darüber, wie sie gelesen und geschrieben werden und wie man das lernen kann. Da es in dieser Arbeit um Lesen, Schreiben und Lernen geht, fließen in sie sowohl Aspekte der Sprachwissenschaft als auch der Sprachdidaktik ein.

Websites bilden einen Teil des World Wide Web, das wiederum auf dem Internet basiert. Das Internet ist in den letzten Jahren mit atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen. Gutenbergs Buchdruckkunst, Radio oder Fernsehen verbreiteten sich im Vergleich dazu im Schneckentempo. Die gesellschaftlichen Kommunikationsprozesse, die sich durch das Internet verändern, beeinflussen Kultur, Wirtschaft, Politik und die Lebensgewohnheiten vieler einzelner Menschen.[
1

Beschäftigt man sich als Sprachwissenschaftler mit dem World Wide Web, so sieht man sich einer unglaublichen Fülle an verschiedenen Elementen gegenüber. Möchte man von dieser Fülle nicht überwältigt werden, so ist es notwendig, sich eine Orientierung über die verschiedenen Strukturebenen des World Wide Web zu verschaffen. Zentrales Element ist hierbei die einzelne Webseite oder Webpage. Eine Webseite kann Texte, Bilder, Filme, Animationen und Töne enthalten, wird vom Browser jedoch als eine Einheit dargestellt und entsprechend vom Nutzer auch so wahrgenommen. Über Querverweise, so genannte Hyperlinks können Webseiten miteinander verbunden werden. Mehrere zusammengehörige Webseiten bilden eine Website. Die Gesamtheit der Websites bildet schließlich das World Wide Web.

Warum ist diese Arbeit notwendig?
Lesen und Schreiben lernt man in der Schule. Beherrscht man diese Kulturtechniken, dann ist es nicht allzu schwer, das Surfen im World Wide Web zu erlernen. Darüber hinaus gibt es bereits eine fast unüberschaubare Menge an Ratgebern, die versprechen, einen schnell und problemlos in die Gestaltung von Websites einzuführen. Welchen Sinn hat es da, über eben diese Themen eine Arbeit aus sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Perspektive zu schreiben?
Ein interessantes Forschungsgebiet für die Sprachwissenschaft
Zunächst einmal ist Lesen nicht gleich Lesen und Schreiben nicht gleich Schreiben. Ein Buch liest man anders als eine Zeitschrift oder eine Zeitung und es wird auch anders geschrieben und gestaltet.

Webseiten liegen nicht auf Papier, sondern in elektronischer Form vor und werden infolgedessen meist am Monitor rezipiert. Darüber hinaus können sie mit Hilfe von Hyperlinks miteinander verbunden werden. Sie unterscheiden sie auf Grund dieser Eigenschaften stark von Texten in den verschiedenen Druckformaten. Diese Unterschiede führen dazu, dass sich das Lesen und Schreiben von Webseiten deutlich vom Lesen und Schreiben gedruckter Texte unterscheidet. Die Unterschiede im Rezeptions- und Produktionsprozess wirken dabei in zunehmendem Maße auf die verwendete Sprache zurück.

Betrachtet man die Frühzeit von Telefon, Radio oder Fernsehen, so wird deutlich, „dass sehr oft nur ‚Altes’ in den ‚neuen’ Medien geboten wird, denn diese werden ja besonders in ihrer Anfangsphase – das zeigt die gesamte Mediengeschichte – noch gar nicht in ihrer Medienspezifik [...] genutzt, sondern nach dem Vorbild anderer Medien: etwa Telefon als Übertragungslautsprecher für Konzerte, Radio als verlesene Zeitung, Fernsehen als bebildertes Radio oder Heimkino usw.“[
2] Ähnliches ließ sich in den letzten Jahren auch an der Entwicklung des World Wide Web verfolgen. Nachdem lange Zeit Druckformate wie Broschüren, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, ja selbst komplette Bücher fast eins zu eins in das World Wide Web übertragen wurden – was immer noch häufig geschieht – bilden sich inzwischen nach und nach Gestaltungsweisen heraus, die versuchen, die besonderen Möglichkeiten, die das World Wide Web bietet, zu berücksichtigen. Die Veränderung von Sprache, die dabei stattfindet und die zur Zeit im World Wide Web live beobachtet werden kann, macht es für sprachwissenschaftliche Untersuchungen sehr interessant.

Bisherige Auseinandersetzung mit dem Thema
Betrachtet man die vorhandenen Arbeiten, so scheint die sprachwissenschaftliche Untersuchung von E-Mail- und Chatkommunikation[
3] bereits etwas weiter fortgeschritten zu sein, als die Auseinandersetzung mit der Sprache von Websites. Dies ist verständlich, ist es doch bei den relativ eng eingrenzbaren Bereichen der Sprache von E-Mails und Chat viel einfacher, sinnvolle empirische Untersuchungen durchzuführen, als beim fast uferlosen World Wide Web. Es erscheinen inzwischen aber auch in zunehmendem Maße empirische Untersuchungen zur Verwendung von Sprache [4] und zu den Nutzergewohnheiten [5] im World Wide Web. Was lange Zeit fehlte, war eine Arbeit, welche die verschieden Aspekte des Lesens und Schreibens im Websiteformat in Beziehung zueinander setzt und so eine Grundlage für weiterführendes empirisches Arbeiten bietet.

Die gesellschaftliche Bedeutung des World Wide Web
Das World Wide Web ist in den letzten Jahren nicht nur populär geworden, auch seine gesellschaftliche Bedeutung wächst ständig. Nach der ARD/ZDF-Online-Studie 2004 [
6]  nutzen inzwischen mehr als 50% der über 14jährigen Deutschen das World Wide Web. Es wird verwendet um sich zu informieren, zu unterhalten, einzukaufen, Kontakte zu knüpfen, sich politisch zu betätigen und zu vielen anderen Dingen. Die Krise der New-Economy und die Pleite zahlreicher Firmen, die sich im World Wide Web engagierten, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den Industrieländern für viele Menschen die Nutzung des World Wide Web inzwischen zu einem festen Bestandteil des Lebens geworden ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass diejenigen, denen aus irgendwelchen Gründen der Zugang zum World Wide Web verwehrt ist, in ihrer Möglichkeit zur gesellschaftlichen Partizipation zunehmend eingeschränkt sind. Da eine demokratische Gesellschaft von der Partizipation möglichst vieler an den gesellschaftlichen Prozessen lebt, ist es von größter Wichtigkeit hier eine sinnvolle Hilfestellung anzubieten: es sind Angebote notwendig, die den Menschen helfen, das World Wide Web rezeptiv und produktiv zu nutzen.

Die Notwendigkeit didaktischer Aufbereitung
Damit die Auseinandersetzung mit Lesen und Schreiben im World Wide Web im Schulunterricht effektiv sein kann, ist eine fundierte didaktische Aufbereitung notwendig, die sich auf sprachwissenschaftliche Erkenntnisse stützt. So schreibt z.B. Kubicek: „Erfahrungen in einigen Bremer Jugendzentren zeigen allerdings, dass die erforderliche Qualifizierung nicht durch das Aufstellen von Computern erfolgt. Die Hoffnung, über spielerische Anwendungen wie Chatten und Downloads schrittweise zu den stärker berufsrelevanten Anwendungen wie Informationsrecherche zu gelangen, hat sich bei den meisten Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen nicht bestätigt. Ihnen fehlen sowohl die Sprachkompetenz und die Rechtschreibkenntnisse als auch die Disziplin zum Lernen.“ [
7]

In ihrem Aufsatz „Schreiben und Schreibenlernen mit neuen Medien“ gibt Inge Blatt „einen Überblick über die deutsch- und mediendidaktischen Bestrebungen, die neuen Schreibmedien im Unterricht zu erproben und zu erforschen.“ [
8]  Darin bemängelt sie, dass der Einsatz von Hypertextsystemen im Unterricht lange Zeit vor allem in Form von Erfahrungsberichten ohne empirische Grundlage abgehandelt wurde. [9]

Inzwischen scheint die erste Euphorie über das Internet als „pädagogische Wunschmaschine“ [
10] verflogen zu sein und die im Unterricht gewonnenen Erfahrungen mit dem Einsatz des Computers und insbesondere des World Wide Web, werden zunehmend kritisch interpretiert: „Unterrichtserfahrungen zeigten, dass Schüler keineswegs automatisch vom Computereinsatz profitierten. Gerade der Einsatz des Internets machte deutlich, dass im Unterricht gezielt an der Entwicklung von Kompetenzen gearbeitet werden muss, damit sinnvoll mit den neuen Medien gelernt werden kann [...].“ [11] Trotz des zunehmend kritischen und reflektierten Blicks auf den Einsatz des World Wide Web im Unterricht, sind empirische Untersuchungen in diesem Zusammenhang immer noch Mangelware. Das verwundert nicht, da empirische Arbeiten einen theoretischen Hintergrund benötigen, der in Bezug auf den Einsatz des World Wide Web im Unterricht kaum vorhanden ist. Was bislang fehlt, ist eine Arbeit, die sprachwissenschaftliche Erkenntnisse über die Besonderheiten des World Wide Web zu Ergebnissen der Lese- und Schreibforschung in Beziehung setzt und damit als Grundlage für die didaktische Modellierung sowie die zukünftige empirische Unterrichtsforschung dienen kann.

Um den Anforderungen der Unterrichtsforschung gerecht zu werden, muss eine solche Arbeit über den reinen Deskriptivismus hinausgehen, der linguistische Arbeiten oft beherrscht, und die Bedürfnisse der Praxis wahrnehmen, um die gewonnen Erkenntnisse in diesem Licht sinnvoll auszuwerten. Damit rückt sie in den Bereich der von Antos eingeforderten „angewandten Linguistik, die bei der Wahl ihrer Gegenstände von Bedürfnissen und Problemen der Öffentlichkeit ausgeht und sprachlich-kommunikative Wissens- und Fertigkeitsdefizienzen sowie Optimierungsmöglichkeiten im Kontext einer Theorie der (produktiven wie rezeptiven) Sprachverarbeitung theoretisch zu erklären versucht.“ [
12

Was will diese Arbeit?
Diese Arbeit hat zwei Ziele, ein sprachwissenschaftliches und ein sprachdidaktisches.
In sprachwissenschaftlicher Hinsicht sollen, auf der Grundlage einer gründlichen Analyse seiner Eigenschaften, die Besonderheiten des Lesens- und Schreibens im World Wide Web herausgearbeitet werden. Aufbauend auf dieser Analyse sollen im sprachdidaktischen Teil der Arbeit die Kompetenzen ermittelt und in Beziehung zueinander gesetzt werden, die zur Erstellung von Websites notwendig sind. Das so entstehende Kompetenzmodell bildet die Basis für eine zielgerichtete, effektive und evaluierbare Umsetzung der Gestaltung von Websites in der Schule und die Grundlage für weiterführende empirische Arbeiten.

Wie ist die Arbeit aufgebaut?
Im ersten Kapitel der Arbeit wird die Entwicklung der technischen und strukturellen Formate geschildert, welche die Grundlage des Websiteformats bilden. Darauf aufbauend werden seine wichtigsten Eigenschaften beschrieben.

Im zweiten Kapitel wird das Websiteformat von anderen kommunikativen Formaten abgegrenzt und mit Hilfe der besonderen Charakteristika, die es besitzt, sein überwältigender Erfolg erklärt.

Im dritten Kapitel wird unter Rückgriff auf Ergebnisse der Leseforschung und empirische Untersuchungen zum Lesen im World Wide Web erarbeitet, welchen Einfluss das Websiteformat auf das Lesen von Texten hat und welche Unterschiede es zum Lesen von Texten in anderen kommunikativen Formaten gibt. Auf dieser Grundlage wird ein Bewertungs- und Analyseraster für die Lesbarkeit von Texten im Websiteformat entwickelt.
 
Im vierten Kapitel wird auf der Grundlage verschiedener Modelle des Schreibprozesses dargestellt, was das Schreiben für das Websiteformat vom Schreiben für andere Formate unterscheidet, was dabei besonders beachtet werden muss und welche Entwicklungen für die Zukunft zu erwarten sind. Dabei werden, unter Berücksichtigung des in Kapitel drei erarbeitete Bewertungs- und Analyserasters, Hinweise für eine sinnvolle Vorgehensweise bei der Gestaltung von Websites gegeben.

Im fünften Kapitel wird vor dem Hintergrund der aktuellen bildungspolitischen Diskussion ein Kompetenzmodell für die Gestaltung von Websites entwickelt, das als Basis dient, für die Festlegung der Bildungsstandards und die Beschreibung der Rahmenbedingungen unter denen diese in der Schule verwirklicht werden können.

In einer abschließenden Diskussion werden die wichtigsten Ergebnisse nochmals herausgearbeitet und es wird auf Perspektiven für zukünftige sprachwissenschaftliche und sprachdidaktische Forschungsvorhaben hingewiesen.


Fußnoten

  1. vgl. Maier-Rabler 2001: S. 11f
  2. Holly 1997: S. 8
  3. vgl. z.B.: Beißwenger 2000, Dürscheid 1999, Runkehl 1998, Schütte 1999
  4. Für den englischen Sprachraum geben hier die regelmäßigen Publikationen des Software Usability Research Laboratory der Wichita State University einen guten Überblick, für den deutschen Sprachraum ist die Website www.websprache.net eine gute Adresse zur Orientierung.
  5. Für den deutschsprachigen Raum sind hier vor allem die jährlich erscheinende ARD/ZDF-Online-Studie (Eimeren 2003 und 2004) und  der (N)onliner Atlas des Emnid Instiuts (TNS-Emnid 2004) zu nennen.
  6. vgl. Eimeren 2004: S. 351
  7. Kubicek 2004: S. 33
  8. Blatt 2004: S. 30
  9. vgl. Blatt 2004: S. 32
  10. vgl. Internetquellen Beck
  11. Blatt 2004: S. 36
  12. Antos 1996: S. 2


Literaturverzeichnis

Antos, Gerd: Laien-Linguistik: Studien zu Sprach- und Kommunikationsproblemen im Alltag; am Beispiel von Sprachratgebern und Kommunikationstrainings. Tübingen: Niemeyer 1996.

Beißwenger, Michael: Kommunikation in virtuellen Welten: Sprache, Text und Wirklichkeit. Eine Untersuchung zur Konzeptionalität von Kommunikationsvollzügen und zur textuellen Konstruktion von Welt in synchroner Internet-Kommunikation, exemplifiziert am Beispiel eines Webchats. Ibidem-Verlag 2000.

Blatt, Inge und Wilfried Hartmann (Hg.): Schreibprozesse im medialen Wandel. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2004.
                              
Dürscheid, Christa: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: die Kommunikation im Internet. In: Papiere zur Linguistik 60, Heft 1, 17-30, 1999.

Eimeren, Birgit van; Gerhard, Heinz; Frees, Beate: ARD/ZDF-Online-Studie 2003. In: Media Perspektive 8, 2003. S. 338-358.

Eimeren, Birgit van; Gerhard, Heinz; Frees, Beate: ARD/ZDF-Online-Studie 2004. In: Media Perspektive 8, 2004. S. 350-370.

Holly, Werner: Zur Einführung. Was sind Medien und wie gehen wir mit Medien um?
In: Der Deutschunterricht Nr. 3, 1997, S. 3-9.

Kubicek, Herbert: Offline in der Online-Welt. In: Cover 4/2004. S. 32-33.

Maier-Rabler, Ursula und Michael Latzer (Hg.): Kommunikationskulturen zwischen Kontinuität und Wandel. Universelle Netzwerke für die Zivilgesellschaft. Konstanz: UVK 2001.

Runkehl, Jens; Peter Schlobinski; Torsten Siever: Sprache und Kommunikation im Internet. Überblick und Analysen. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998.

Schütte, Wilfried (1999): Sprache und Kommunikationsformen in Newsgroups und Mailinglisten. In: Kallmeyer, Werner (Hg.): Sprache und neue Medien. Berlin / New York: de Gruyter 2000. S. 142 – 178. (Jahrbücher des Instituts für deutsche Sprache)

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© Dr. Jörg Dieter 2007 – Kontakt: webmaster@webrhetorik.de - Bearbeitet: 19.01.2008

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