Webliteralität und Webrhetorik
Vom Lesen und Schreiben im World Wide Web

Informationen zu Arbeiten, die im Vor- und Umfeld der Dissertation “Webliteralität - Lesen und Schreiben im World Wide Web” entstanden sind.

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Lesen und Schreiben im Internet
Eine Herausforderung für den Schreibunterricht -

Zusammenfassung eines Vortrages auf dem 14. Symposion Deutschdidaktik
“Deutschunterricht und medialer Wandel” in Jena

Jörg Dieter, 2002


In den letzten Jahren hat sich das Internet einen Platz in der Schule und ganz besonders im Deutschunterricht erobert. Trotz der großen Begeisterung mit der viele Schüler beim Erstellen von Internetseiten ans Werk gehen, sind die Ergebnisse oft wenig befriedigend. Besonders Seiten auf denen Schüler selbstgewählte Themen oder ihre eigene Person darstellen, sind inhaltlich häufig nichtssagend und von der Form her dem Medium nicht angemessen. Wie kommen diese Missstände zustande und was kann der Schreibunterricht zu ihrer Behebung beitragen?

An drei ausgewählten Punkten wird zunächst erörtert, was das Lesen im Internet vom Lesen in Printmedien unterscheidet und welche besonderen Anforderungen dabei an den Leser gestellt werden. Von diesen besonderen Anforderungen lassen sich einige grundsätzliche Richtlinien für das Erstellen von Texten für das Internet ableiten. Diesen theoretischen Überlegungen wird eine empirische Analyse von Schülerhomepages verschiedener Schulen aus dem Bereich der Sekundarstufe I und II gegenübergestellt. Dabei zeigen sich spezifische Stärken der Schüler im Umgang mit dem Medium, aber auch Schwächen, die daher rühren, dass die Eigenschaften des Mediums nicht ausreichend reflektiert werden.

Die Tatsache, dass viele Schülertexte im Internet so nichtssagend sind, ist jedoch meines Erachtens auf eine andere Ursache zurückzuführen. Im Internet sehen sich die Schüler unvorbereitet der Situation gegenüber, potentiell die ganze Welt als Leserschaft zu haben und wissen nicht, was sie ihr sagen können und wollen. Auch hierfür finden sich Hinweise auf den Internetseiten von Schülern.

Wie sind diese Defizite zu erklären? Es scheint so, als ob die Schüler bisher kaum in die Verlegenheit kamen, aus einer bestimmten Schreibsituation die angemessene Ausdrucksform ableiten zu müssen. Darüber hinaus sind die Schüler aus dem Unterricht gewohnt, für eine sehr spezifische Zielgruppe zu schreiben, die hauptsächlich aus ihrem Lehrer und am Rande noch aus ihren Mitschülern besteht. Die Fragen, was sie einer bestimmten Zielgruppe tatsächlich zu sagen haben und wie sie das am besten anstellen, sind deswegen oft neu für sie.

Beides kann als Hinweis daraufhin gedeutet werden, dass der Schreibunterricht nach wie vor zu sehr auf das Einüben fester Formen und zu wenig auf authentische Schreibanlässe setzt. Das Schreiben von Texten für das Internet bringt aber diese Defizite nicht nur zum Vorschein, sondern bietet auch die Möglichkeit sie aufzuarbeiten. Zum einen lässt sich hier der Einfluss kommunikativer Rahmenbedingungen auf die Gestaltung von Texten exemplarisch herausarbeiten, zum anderen können sich die Schüler durch die echte Leserschaft im Internet gezielt mit den Problemen zielgruppenorientierten Schreibens auseinandersetzen. Beides kann den Schülern auch bei anderer Gelegenheit von Nutzen sein.

>> Download des gesamten Vortrags als PDF-Datei

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© Dr. Jörg Dieter 2007 – Kontakt: webmaster@webrhetorik.de - Bearbeitet: 19.01.2008

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